Folge 3 – Wenn der Kühlschrank mehr kann als kühlen

Folge 3 – Wenn der Kühlschrank mehr kann als kühlen

Tabea hatte schlecht geschlafen. Sie war schon wach, bevor ihre Yoga Musik sie leise wecken konnte. Ihr Mann hatte mal wieder eine Nachtschicht eingelegt und sich im Gästezimmer hingelegt. „Wecker aus!“ gab sie den Befehl per Ansage, damit die Musik nicht startete, wenn sie gerade im Bad unter der Dusche stand. Ein bisschen Musik beim Duschen war zwar nicht schlecht, aber die Musik wurde in den verschiedenen Weckintervallen immer lauter bis schließlich alle wach waren. Die Sprachsteuerung funktionierte nur in bestimmten Räumen in der Wohnung und nicht im Bad. Noah hatte schon mehrere Versuche unternommen, dass zu ändern, vor allem da er sich mit lautem Heavy Metall wecken ließ und schon mehrmals aus der Dusche springen musste, nachdem Tabea – ziemlich sauer von seiner Musik an ihren freien Tagen geweckt wurde. Die Spracherkennung war ja individuell und so konnte sie Noahs Weckruf nicht beenden.

Sie schlurfte noch müde in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Sie nahm die Kanne um sich das Trinkwasser aus der Kühl- und Speicherkombi zu zapfen, als es auf einmal zischte und eine Fontäne Wasser sich in die Küche ergoss. Sie sprang instinktiv zur Seite und sah, wie das Wasser aus dem Zapfhahn schoss. Im Kopf versuchte sie die schnellste und effizienteste Lösung zu finden, das Wasser zu stoppen, dass sich immer weiter wie ein See in der Küche ausbreitete. Sie fasste sich an die Stirn, als würde ihr das beim Nachdenken helfen: „Scheiße, scheiße, scheiße!“ entfuhr es ihr gleich einer Beschwörungsformel. Ihr jüngster Sohn war wach geworden und stolperte in die Küche. „Mama, was ist los?“ Ich weiß es nicht, bleib draußen bitte!“ Nun war auch Noah, ihr Mann wach geworden. Ein schneller Blick auf das Wasser in der Küche und die Kühlkombi. Er öffnete den Schrank unter dem Waschbecken und stellte die Hauptwasserleitung ab. Dann ging er zum Sicherungskasten und schaltete den Wechselrichter aus, der den Strom der Solar- und Windmodule ins Haus übertrug. Nun mussten sie noch den Speicherkoffer vom Kühlschrank lösen, aber dazu mussten sie die Kombi erst von der Wand schieben und vorher das Wasser in der Küche aufwischen. Was für ein Morgen!

Kaffee konnten sie nun auch keinen zubereiten, denn sie hatten ja die Stromzufuhr unterbrochen.

Als sie alles erledigt hatten, lief Tabea schnell zur Nachbarin, um sich heißes Wasser für einen löslichen Kaffee zu holen, während Noah bereits den Kühlschrank untersuchte, um herauszufinden, was mit dem Wasserspender falsch war. Noah schraubte und schaute. Er hatte sich die Campinglampe um die Stirn gebunden. Tabea musste grinsen, während sie Noah im Schlafanzug mit dem Kaffee in der Hand und der Stirnlampe am Kopf ansah.

Er verglich die Fehlermeldungen des Kühlschranks mit den Beschreibungen des Herstellers im Internet. Dann schaltete er eine App ein, die die Angaben des Herstellers-zu Störungen- mit seinen Versicherungen abglich. Leider mussten sie feststellen, dass die Versicherung hier nicht griff und die Reparatur über den After-Sales-Dienst des Herstellers fast so viel kostete wie ein neuer Kühlschrank. Das andere Problem war, dass der Dienst erst in einer Woche kommen würde. Eine Woche ohne Kühlung war schwierig: sie hatten Sommer und damit konnten sie nichts auf den Balkon legen. Außerdem war die Tiefkühltruhe voll mit Fleisch vom letzten Schlachtfest und das war erst vor 2 Wochen gewesen. Auch ihre Nachbarin würde keinen Platz mehr haben, um noch Tabeas Vorräte unterzubringen. Sie mussten eine andere Lösung finden.

 

Die gab es in Form von I-help-yourself, eine Plattform, über die Selbstbastler ihre Dienste anboten. Das war natürlich nicht so sicher wie die Herstelleroriginal Reparatur, aber über verschiedene Bewertungen und Kommentaren konnte man einigermaßen gut sehen, ob der angebotene Service seriös war. Ein Restrisiko blieb natürlich immer. Tabea und Noah fanden tatsächlich mehrere Anbieter in ihrer Nähe mit sehr guten Bewertungen. Das war das Glück inmitten einer großen Stadt zu wohnen. Noch mehr Glück, gleich der erste beantwortete sofort seinen Chatbot und sagte zu, innerhalb der nächsten zwei Stunden vorbeizukommen. Tabea war froh, dass Noah zu Hause war. Ganz wohl war ihr nicht dabei, einen Fremden in ihre Wohnung zu lassen. Als der junge Mann dann kam, waren ihre Bedenken verwischt. Ein netter Kerl, der sich auf Reparaturen von Kombi-Kühlschranken spezialisiert hatte und außerdem in einer der vielen Fernlernschulen Kurse in Physik gab. In weniger als 40 Minuten hatte er die Kombi wieder funktionstüchtig, erklärte beiden sehr verständnisvoll was der Fehler gewesen war und nahm – wie sie fanden – nur ein Trinkgeld, zumindest im Vergleich zum Hersteller. Danach tranken sie gemeinsam einen frischen Minztee – Kaffee mochte der junge Mann nicht und man unterhielt sich so nett, dass sie gleich ein weiteres Treffen ausmachten, um mögliche Nachhilfe in Physik für die Kinder zu erhalten. Alles in allem endete der Tag weitaus positiver als er begonnen hatte.

Fähigkeiten

Gepostet am

September 15, 2017

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Möchten Sie eine kostenlose Beratung zum Thema Neukundengewinnung?

Melden Sie sich an und wir setzen uns in Kürze mit Ihnen in Verbindung.

Vielen Dank! Wir melden uns in Kürze bei Ihnen.